Klanginstallationen

Ortsbezogene Klanginstallationen um den KLANG!-Container spüren an den jeweiligen Standorten dem besonderen Reiz von Kunst im öffentlichen Raum nach. Nicht nur die akustischen Gegebenheiten und Kontexte, sondern auch die visuellen und atmosphärischen Charakteristiken eines Standorts fließen in die Klanginstallationen ein.

Standort Hafen Damnatz

“Ships, Wrecks, a vivid temporal Photograph”
30. Juli bis 15. August

Die Klanginstallation „Ships, wrecks, a vivid temporal Photograph“ von Alexander Schubert (Foto unten) besteht zum Großteil aus an der Elbe aufgenommenen Klängen. Indem Schubert Details der Originalaufnahmen vergrößert, zeitlich dehnt, prozessiert oder auch gänzlich unbearbeitet lässt, entsteht eine schwankende, mal schnell mal seicht dahinfließende Klangcollage, durch die der Hörer eintaucht in einen Fluss von Klängen, Tönen und Geräuschen der Elbe.

Alexander Schuberts Klang-Performance und Komposition „Superimpose 4 Streamlines“ beschäftigt sich in einer mehr abstrahierten Form mit dem Strömen, dem Fließen und dem Auf und Ab des Flusses, der ewigen Wiederholung und den Wasserpartikeln, aus deren Rauschen sich fortwährend kleine Themen schälen, um dann wieder im Rauschen der Masse zu verschwinden. „Superimpose 4 Streamlines  wird von einem Quartett aus Bassklarinette, E-Gitarre, Saxophon und Perkussion vorgetragen und untermalt von den Elbklängen der Klanginstallation „Ships, wrecks, a vivid temporal Photograph“. Aufführungen am 30.7. um 20 Uhr im KLANG!-Container am Hafen Damnatz und am 28.8. ab 19 Uhr im KLANG!-Container auf der Fleetinsel, Hamburg Neustadt.

Standort Fleetinsel

“Ships, Wrecks, a vivid temporal Photograph” 
18. bis 29. August

Siehe Text Oben unter Standort Hafen Damnatz.

SONUR, 11. bis 25. September

Die interaktive Klang- und Lichtinstallation SONUR von David Siepert lädt die Besucher ein, sich in das Kunstwerk einzumischen: SONUR (setzt sich aus den Worten Sonus (Klang) und Urbis (Stadt) zusammen) ist ein Destillat von Klängen der Stadt Hamburg, das erst durch die Gegenwart des Besuchers zum Leben erweckt wird. Der Herzschlag der Besucher bestimmt dabei den Rhythmus und ist Grundlage für ein visuelles Echo, das nachts im KLANG!-Container pulsiert.
Tagsüber ist das Publikum eingeladen, SONUR zu betreten. Über Pulssensoren geht der Besucher eine direkte Verbindung mit der Installation ein und löst dadurch Klänge aus deren Datenbank aus – gesammelte Geräusche der Stadt. Der Herzschlag des Besuchers bestimmt dabei den Rhythmus der Wiedergabe. Sind mehrere Besucher gleichzeitig im Container, entsteht eine einzigartige, individuell rhythmisierte Komposition. Nachts verwandeln die gespeicherten Pulsschläge, die tagsüber die Klänge der Stadt ausgelöst haben, den KLANG!-Container in eine pulsierende Lichtinstallation.
Vom 11 bis zum 25. September 2010.

Vergangene Klanginstallationen der Saison 2010

Standort Alsterwiesen

Speaker’s Corner, 20. Juni bis 25. Juli

Für die gesamte Dauer des Gastspiels auf den Alsterwiesen war die interaktive Klanginstallation„Speaker’s Corner“ von Jutta Ravenna zu erleben.

Als klangliche Intervention im Öffentlichen Raum wird eine Klangskulptur aus alten Durchsage-Lautsprechern unterschiedlicher Herkunft wie Schiff, Bahnhof oder Grenzanlage mit ihrer besonderen Klangästhetik in den Park implantiert. Eingebettet in den spezifischen Kontext der Alsterwiesen, seinem visuellen, akustischen und sozialen Umfeld, bietet die „Speaker’s Corner“ den zufällig vorbei flanierenden Besuchern Gelegenheit, durch eigene sprachliche Inputs in eingebaute Mikrofone der Skulptur aktiv in das klangliche Geschehen einzugreifen, es zu überlagern und zu transformieren: Die Skulptur geht über die interaktive Ebene eine Verbindung mit ihrem Umfeld ein.

Jutta Ravenna, geboren 1960 in Düsseldorf, arbeitet als Klangkünstlerin mit visuellen und akustischen Fundstücken. Im Grenzbereich zwischen Bildender Kunst und Musik erforscht sie intermodale Wahrnehmungs-qualitäten im Verhältnis von Hören und Sehen (Vita als PDF). 
Das architektonische, akustische und soziale Umfeld, in dem ihre Klangobjekte stehen, sind für sie wichtig, deshalb arbeitet sie auch gerne mit interaktiven Klangsystemen. Weitere Informationen hier.

Technische Leitung: Tom Thiel

Mit Dank an:


Standort Deichtorhallen

„Blödes Orchester“ vom 3. bis 13. Juni
Hausgeräte mutieren zu Sinfonikern – seit sieben Jahren arbeitet Michael Petermann an dieser Klangskulptur, die 2010 im Museum für Kunst und Gewerbe ihre Realisation erleben wird. Angeordnet wie ein klassisches Sinfonieorchester, verwandeln sich historische Staubsauger, Mixer und Waschmaschinen in Instrumente. Sie bilden einen Klangkörper, der mit computergenauer Präzision dirigiert wird. Ein amuse gueule dieser Produktion ist zwei Wochen lang im KLANG!-Container zu sehen inklusive Künstler, der seine Arbeit zu bestimmten Zeiten erläutert und weiterentwickelt.

DEICHTORHALLT! vom 25. April bis 21. Mai
Korrespondierend mit dem künstlerischen Umfeld stehen Klang-Skulpturen und -Installationen im Fokus dieses Standorts.
DEICHTOR HALLT! nennt der Berliner Klangkünstler Heinz Weber (Foto unten) seine Arbeit und befasst sich mit der Frage, was passiert, wenn ein KLANG!-Container Klängen im Wege steht? Zur Vernissage erkunden Heinz Weber mit seiner „Schöneberger Lautsprecherkapelle“ und Hannes Wienert (Sheng) das Innere des KLANG!-Containers und Klangmaterialien aus der Installation werden in einen erweiterten Kontext gebracht.


Über Klanginstallationen

Der KLANG!-Container wurde am 28.September 2008 auf Kampnagel mit einer Installation der Klangkünstlerin Katja Kölle (Viersen/D) eröffnet und wird in den folgenden Jahren an signifikanten Orten Hamburgs weitere Klanginstallationen zeigen, die eigens für die Umgebung des Containers von verschiedenen Klangkünstlern konzipiert werden. Wie der Container sind die Installationen mobil angelegt: Wetterfeste Lautsprecher können in verschiedenen Formationen temporär installiert werden. Nicht nur die akustischen Gegebenheiten und Kontexte, sondern auch die visuellen und atmosphärischen Charakteristiken eines Standorts fließen in die Klanginstallationen ein.

Dahinter steht die Idee, dass in der künstlerischen Arbeit selbst der Vermittlungsgedanke integriert ist. Der öffentliche Raum als ‘Präsentationsraum’ ist nicht mit Erwartungen an traditionelle Rezeptionsbedingungen neuer Musik befrachtet. Die Passanten, die durch ungewöhnliche Klänge angelockt werden, werden wie zufällig zum Publikum. Sie können experimentellen Klängen unvoreingenommen begegnen und eigene, in Bezug auf Zeit und Raum individuelle Zugänge des Hörens finden.

Kirsten Reese